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Himmelwärts – religiöses Leben an Rhein und Maas

„Himmelwärts“ blicken 50 Museen und Kultureinrichtungen des grenzüberschreitenden Kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerk Niederrhein im Rahmen ihrer dritten gemeinsamen Ausstellungsreihe ab dem 2. November 2014.

Diesmal stehen Glaube und Religion an Rhein und Maas im Mittelpunkt. Das komplexe, sensible Thema spiegelt sich in einer weitgefächerten und differenzierten Darstellung. Acht Themenbereiche haben sich herauskristallisiert und zudem auch eine ganz überraschende Erkenntnis: Die Annahme, der Niederrhein mit all seinen Kirchen, Klöstern und Wallfahrtsorten sei urkatholisch, ist falsch! Im Gegenteil – wie der Blick zurück zeigt, leben die Menschen im Land zwischen den Strömen seit dem 16. Jahrhundert ein multireligiöses und gleichsam multikulturelles Miteinander. Ein „cuius regio, eius religio“, wonach der Landesherr den Landeskindern das Bekenntnis vorgab, setzte sich hier vor Ort nie so durch wie in den meisten deutschen Territorien.

Katholiken, Protestanten, freikirchliche Gemeinschaften, jüdische Gemeinden, Muslime – das Land an Rhein und Maas ist ein Schmelztiegel der Religionen. Und dies hat den Niederrhein geprägt und hat ihn in Bewegung gehalten. Die Zuwanderer brachten nicht nur ihre Weltanschauungen, sondern auch ihre Fähigkeiten mit. Ihr technisches und handwerkliches Know-how bildete häufig den Motor für Fortschritt, Kultur und Bildung. Vielfalt wurde zum Mehrwert und Toleranz zum Zauberwort für die wirtschaftliche Prosperität so mancher Stadt in dieser Region.

Aber nicht nur dieser Erkenntnis lässt sich im Themenjahr „himmelwärts“ nachspüren. Auch dunkle Kapitel wie Hexenverfolgung, Holocaust sowie die Unterdrückung einzelner reformierter Gemeinden werden thematisiert. Volksfrömmigkeit und religiöse Bilderwelten mit ihrer bunten Vielfalt an Darstellungen und symbolträchtigen Ausdrucksformen haben mehrere Häuser auf beiden der Seiten der Grenze aufbereitet. Über religiöse Feste, Glaubensrituale bis zu Wallfahrten führt das Spektrum schließlich zu der Frage: Und – wo wohnt Gott? Und damit zur Beschäftigung mit der reichen Kirchenlandschaft am Niederrhein mit ihren mächtigen Gotteshäusern, die über Jahrhunderte hinweg das Zentrum auch kleinster Ortschaften dominieren, hier nun aber wie überall von Schließung bedroht sind. Was passiert mit Kirchen, in denen Gott nicht mehr be- und gesucht wird, was mit den Klöstern, die leer stehen und was geschieht mit den vielfältigen Objekten des Glaubens der aufgelösten Kirchengemeinden? Und was bedeutet den Menschen heute eigentlich Religion, Besinnung und spirituelles Erleben? Die Ausstellungen und Begleitprogramme der Museen, die Lesungen, Vorträge und Workshops beschäftigen sich mit diesen Fragen. Darüber hinaus führen Sie unsere „Entdecker-Tipps“ und Exkursionsangebote zu wundersamen Herrgottswinkeln, zu außergewöhnlichen Gotteshäusern sowie auf verschwiegene Pilgerpfade.

Erneut ist auf diese Weise ein umfangreiches Ausstellungsprogramm entstanden, das die kulturelle Biografie des Niederrheins und seine Besonderheiten an vielen Orten spürbar werden lässt.

Kulturgeschichtliches Museumsnetzwerk Niederrhein Oktober 2014

www.niederrhein-museen.de